Bemalen von Spinnacker

Übersicht

voriges

Warum werden die meisten schönen Drachen in so mühevoller Kleinarbeit aus farbigen Segeltuchelementen in Patchwork- oder Applikationstechnik zusammengenäht? Weil das Bemalen von Spinnacker wirklich eine heikle Angelegenheit ist!

Manche Drachensegeltuche sind unbeschichtet und haben dieselbe Problematik wie ein zu bemalendes Löschpapier. Manche Segeltuche haben Beschichtungen mit Anteilen von Silikon, auf dem definitiv keine Farben sinnvoll haften können. Aber auch bei Vorliegen eines geeignet beschichteten Spinnackertuches (wie z.B. bei den bei uns erhältlichen Blanko-Drachen aus Spinnacker) bleibt dies ein sehr anspruchsvoller aber wegen seiner Transparenz auch sehr verlockender Malgrund.

Bemalter Kunstdrachen

Insbesondere die Farbauswahl und das Aufbringen der Farbe ist bei diesem glatten, wasserabweisenden und transparenten Segelmaterial so unterschiedlich im Vergleich zum Bemalen von Papier oder Leinwand, dass wir eine spezielle Info hierüber für unerlässlich halten.

Die empfehlenswerten Farbsysteme für PU-beschichtete Spinnackertuche

1. Gestalten mit Permanent Marker

Farbtest mit Permanent Marker und Alkohol

"Filzstifte" haben unter Kunstmalern oftmals kein gutes Image! Dennoch kann man mit ihnen durchaus anspruchsvoll gestalten, z.B. mit der Technik der Verwaschung mittels Alkohol (um lasierende oder fließende Mischeffekte zu erreichen, vgl. Farbtest Foto rechts).

Eine wirklich gleichmäßige Farbfläche im Gegenlicht lässt sich mit diesen Stiften nicht herstellen! Für strichbetonte Techniken des Zeichnens oder für Texte / Unterschriften sind sie jedoch auf dem Segeltuch der Blankodrachen durchaus empfehlenswert.

Ein echter Pluspunkt ist die kurze Trockenzeit der Tuschen auf Alkoholbasis von nur wenigen Sekunden. Für Schnellzeichner, Karikaturisten und auch Kindergeburtstage ergibt sich hier ein echter Produktvorteil.

Die Lichtbeständigkeit ist bei einigen dunklen Farbtönen in manchen Produktreihen sogar recht hoch - meist jedoch (vor allem in größeren Farbpaletten im Bereich der gelben und roten Farbtöne) eher mangelhaft.

Beim Einkauf für das Bemalen von Blanko-Drachen sollten Sie also bei der großen Vielfalt an Filzstiften und Markern auf folgende Aspekte achten:

  • Stifte sollten „permanent“ sein, also wasserfest
  • Der Hinweis „für fast alle Oberflächen“ deutet meist auf gute Farbhaftung hin
  • Testen Sie den Stift auf einer glatten Kunststofffolie: nach wenigen Sekunden sollte die Farbe mit dem feuchten Finger nicht mehr verwischbar sein
  • Meiden Sie für diesen Zweck sog. Lackmarker, die Farbschicht trocknet zu unflexibel auf
  • Fragen Sie immer nach möglichst lichtechten Qualitäten; meiden Sie sog. „Leuchtfarben“, denn die verblassen am ehesten

Fazit bzgl. permanent marker

Nichts für sehr hohe Ansprüche an Qualität und Haltbarkeit! Aber ein wirklich ausreichend großes Farbspektrum an extrem schnell trocknenden preiswerten Farben! Also, ideal für den Kindergeburtstag, wenn der Drachen auch sofort fliegen muss.

Nachfüllflasche für Permanent Marker

2. Gestalten mit Textilfarbstiften

Diese Farbsysteme wurden für Naturfasern wie Baumwoll-T-Shirts oder Bettwäsche entwickelt und erreichen auch ohne Hitzefixierung Waschmaschinenfestigkeit teils bis zu 90°C. Weil das temperaturempfindliche Segeltuch der Blankodrachen keine Bügeleisenfixierung verträgt, sind diese Farben durch Luftfixierung von besonderem Interesse. Der Farbauftrag ist nach einigen Minuten trocken, bleibt aber für ein paar Tage noch mit den Fingern „radierbar“ und feuchtigkeitsempfindlich, dann aber, nach etwa 2 bis 3 Wochen(!) sind diese Farben erstaunlich abriebfest und wetterbeständig.

Weil das Segeltuch des beschichteten Polyester Spinnacker nicht saugfähig ist, sind diese Farben hierauf einerseits sehr ergiebig, aber im Gegenlicht auch deutlich blasser als bei einem Baumwollstoff. Es sollten nur kräftige Farben verwendet werden und diese meist mehrfach auftragen, wobei sich die dünnen Farbschichten auch hervorragend mischen lassen (vgl. Fotos unten: vor dem Übermalen etwa 1 Tag trocknen/teilfixieren lassen).

Textilfarbe auf Blankodrachen

Einige Verarbeitungshinweise:

  • Vermeiden Sie allzu helle Farben oder tragen Sie mehrere Farbschichten auf
  • Das Segeltuch sollte vor dem Farbauftrag sauber und fettfrei sein; ggf. mit Propanol abwischen
  • Die dünnflüssige Farbe kann vom Nähfaden angesogen werden und dann in den Saum „bluten“, was dann fleckig wirkt. Deshalb empfiehlt es sich ggf. den Drachen nur bis zum Saum und nicht über die Naht hinaus zu bemalen.
  • Legen Sie beim Aufbringen von Farbe stets ein Blatt zwischen Handballen und Drachensegel (s. Foto oben links), so vermeiden Sie es, angetrocknete aber noch nicht fixierte Farbschichten mit der Haut zu verwischen
  • Vermeiden Sie ungewollte Trockenränder beim Anlegen größerer Farbflächen, dazu Farbfläche vor dem Ausmalen mit schwarzem Permanentmarker definieren/ konturieren (s. Foto oben links)

Vorteile / Nachteile:

  • + Die Endresultate sind mit etwas Übung die besten homogenen Farbflächen, die ohne Airbrush oder Siebdruck auf diesem transparenten Malgrund möglich sind
  • + Die fertig fixierte Farbe ist extrem dehnbar, knitter- , abrieb- und wasserfest
  • + Durch den gleichmäßigen dünnen Farbauftrag sind mehrere Schichten mit interessanten Mischeffekten möglich
  • + Der große Tankinhalt bewirkt hohe Reichweite und damit ein gutes Preis/Leistungsverhältnis
  • + Farbsystem ist auf Wasserbasis, ungiftig und „kindergartenempfehlbar“; keine Vor- oder Nachbehandlungen notwendig
  • - Extrem lange Trocknungs- bzw. Fixierzeit
  • - Lichtechtheit ist geringer als bei Pigmentfarben aber ausreichend für den Hobbybereich
  • - Durch die dünne Farbschicht müssen die Flächen oft mehrmals bemalt werden

3. Gestalten mit Acrylpigmenten für Airbrush & Pinsel

Es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Anbietern, die gute Airbrushfarben für die speziellen Untergründe im Modellbau bereithalten. Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede beim Bemalen zwischen einer Modellautokarosserie und beschichtetem Segeltuch, z. B. der notwendigen Flexibilität. Doch wir konnten gute Erfahrungen sammeln mit folgendem Lösungsweg:

Aero Color Professional von Schmincke

AERO COLOR PROFESSIONAL von der FirmaSchmincke sind Künstlerpigment-Acrylfarben auf Wasserbasis (von hoher Qualität und Beständigkeit in 36 mischbaren Farbtönen). Diese Farben für Airbrush oder Pinsel haben eine sehr gute Haftung. Der Clou: für dehnbare Untergründe wurde ein die Haftung weiter verstärkendes Malmittel in Form einer vermischbaren Polyurethandispersion entwickelt, die die ideale chemische Verbindung zwischen der Farbe und der Segeltuchbeschichtung herstellt. Diese wässrige Polyurethandispersion entstammt dem gleichen Farbsystem wie die Pigmentfarben heißt AEROCOLOR LACK und dient somit als Grundierung, Verdünnung und Abschlusslack.

1. Grundierung mit Aerocolor Lack

Aerocolor Lack ist eine wässerige Polyurethandispersion und somit ideal als haftungsverstärkende Grundierung, Verdünnung und als Abschlusslack von PU-beschichteten Segeltuchen geeignet.

  • Bereiten Sie die Grundierung zu aus 1 Teil Aerocolor Lack und 1 Teil Wasser (Verhältnis 1/1 kräftig schütteln!)
  • Die klare (nun dünnflüssige) Grundiermischung mit einem breiten Pinsel oder Airbrush auf das liegend aufgespannte Segel dünn, zügig und gleichmäßig auftragen. Das Tuch sollte natürlich sauber und fettfrei sein - ggf. mit Alkohol (Propanol) abwischen.
  • Für 0,5m² Segelfläche wird etwa die Füllmenge eines Eierbechers benötigt, bereiten Sie aber etwas mehr zu, denn die Grundiermischung eignet sich weitaus besser zum Verdünnen der Farben als reines Wasser (Bindemittelverarmung).
  • Der Grundiermischung können bereits kleine Mengen Farbe beigegeben werden (z.B. als lasierender Hintergrund). Bedenken Sie aber, dass die Grundiermischung recht schnell trocknet - nach wenigen Minuten würde der Pinsel „schmieren“, denn nach ca. 1 Stunde ist die Grundierung trocken genug für den eigentlichen Farbauftrag.
Aerocolor auf Spinnacker

2. Malen mit Aerocolor

Alle Aerocolor Professional Farbtöne sind untereinander mischbar. Bitten Sie Ihren Farbenfachhändler, Ihnen einen Sortenprospekt der Fa. Schmincke zu besorgen, denn die dort enthaltenen Farbskalen, Verarbeitungshinweise und Zusatzausstattungen, wie z.B. leere Pipett-Glasflaschen zum Anmischen und Aufbewahren „Ihrer“ Farbtöne, werden Ihnen helfen, Ihr Equipment optimal auszugestalten.

  • Vor jeder Farbentnahme die Pipettfläschchen gut schütteln, damit sich die abgesetzten Pigmente gleichmäßig verteilen.
  • Seien Sie sparsam bei der Entnahme, denn die Ergiebigkeit ist wegen der Saugschwäche des Malgrundes enorm.
  • Testen Sie Ihre Malschritte auf einem eigenen Tuchstreifen für Farbtests und kontrollieren Sie sie auch im Gegenlicht.
  • Bemalen Sie das Tuch waagrecht liegend, um ungewolltes Verlaufen (Nasen) der dünnflüssigen Farbe zu vermeiden.
  • Reinigen Sie Pinsel für Farbwechsel im Wasserbad, lassen Sie überschüssiges Wasser aus der Pinselspitze in ein (Papier-)Tuch saugen und verwenden Sie zum Verdünnen der Farben die Grundiermischung. Die Farben sind so intensiv, dass es sich empfiehlt, beim Malen eine Farbfolge „von hell nach dunkel“ einzuhalten. Nach dem Malen Pinsel abschließend mit etwas Handspühlmittel auswaschen.
  • Vermeiden Sie allzu dicke Farbschichten / -pfützen beim Farbauftrag, denn dadurch könnten beim Knittern und Walken des Tuches (Auf- und Abbau des Drachen) Haftungsprobleme (von Haarrissen bis hin zum Abblättern) hervorgerufen werden.
  • Der Farbauftrag (ohne Pfützen!) ist etwa nach einem Tag getrocknet. Erst dann sollten Sie ggf. eine Gestaltung der Rückseite des Segels beginnen oder den Schlusslack auftragen.
  • Beachten Sie beim Anlegen übereinander liegender Farbschichten deren Helligkeitswerte und Mischwirkung im Gegenlicht (immer zuerst auf extra Tuchstreifen testen!).
Aerocolor per Aquarellpinsel

3. Der Schlusslack

Die Pigmente unterschiedlicher Farben bedingen durch ihre verschiedenen Größen einen unterschiedlichen Oberflächenglanz, der durch einen Schlusslack vereinheitlicht werden kann. Neben einer homogeneren Textur bietet ein Schlusslack aber auch einen gewissen Schutz vor mechanischen Beanspruchungen. Wir empfehlen als Schlusslack das gleiche Gemisch aus Aerocolor Lack und Wasser wie bei der Grundierung (s. oben). Da die verwendete Polyurethandispersion zwar wasserfest aber dennoch durchlässig für Wasserdampf ist, werden die aufgetragenen Farbschichten in der Nässe von Regen oder beim Reinigen mit einem nassen Schwamm reversibel weich

Fertig

Diese beratenden Hinweise erfolgen ausdrücklich ohne Gewährleistung und unter explizitem Haftungsausschluss, d.h. sie befreien nicht von der Notwendigkeit eigener Tests und Versuche durch den Anwender! Wir weisen auch darauf hin, dass diese Farben und Hilfsmittel als hochwertige Künstlerfarben naturgemäß kein CE-Zeichen tragen, und deshalb (trotz der relativ geringen Toxizität) Kinder damit nur unter gewissenhafter Aufsicht arbeiten sollten - auf jeden Fall aber sollten Sie zum Anmischen von Grundierung oder Schlusslack niemals Getränkeflaschen verwenden.

Vorteile / Nachteile:

Aerocolor per Moosgummi-Stempel
  • + dieses Farbsystem lässt sich in allen wichtigen Techniken einsetzen: Tuschepinsel, Aquarellpinsel, Feder, Airbrush, etc. (Bild rechts: Moosgummi-Stempel)
  • + alles ist individuell mischbar, also unendlich viele Farbtöne, Künstler kann „seine“ Farben exakt herstellen
  • + im trockenen Zustand (bereits nach 1 Tag) ist die Oberfläche extrem dehnbar, knitterfest und abriebfest und die Pigmentfarbe besitzt eine sehr hohe Lichtechtheit
  • + lässt sich nass in nass oder in trockenen Schichten mehrfach übermalen, lasierend mit der beschriebenen Verdünnung oder so intensiv deckend dass auch „hell auf dunkel“ gemalt werden kann
  • + trocknet zügig ohne zu stressen
  • + ist auf Wasserbasis (keine giftigen Lösungsmittel, Pinsel können im Waschbecken gereinigt werden)
  • + Gläschen mit Pipette ermöglichen sauberes und einfaches Arbeiten / exaktes Mischen
  • + Grundierung unterbindet weitgehend den Kapillareffekt des Nähfadens im Saum, der sonst dünnflüssige Farben durch den Nadeldurchstich zwischen die Tuchlagen des Saumes zu ziehen droht
  • - Bei Nässe reduzierte mechanische Belastbarkeit der Farboberfläche!
  • - für perfekte monochrome Farbflächen ist auch hier technischer Aufwand nötig (= geht nur mit Airbrush)
  • - teuer in der Anschaffung (aber dennoch preiswert im Verbrauch)
Back to Top