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Vierleiner - Flugtipps


... keine Angst vor Vierleinern, so kompliziert ist es gar nicht, die zu fliegen! Aber Spaß macht`s, denn gegenüber den “normalen Zweileiner-Lenkdrachen” können Sie mit den beiden zusätzlichen Schnüren zusätzlich zur Richtung auch die Fluggeschwindigkeit von Vollgas bis zum Rückwärtsflug steuern.
 
Stabdrachen mit vier Steuerleinen, also Vierleiner mit festem Gestängerahmen, wie derjenige auf dem Foto rechts, können rückwärts annähernd so schnell wie vorwärts fliegen und sind durch ihre relativ wenig profilierte Segeloberfläche sehr sensibel auf alle Lenkimpulse. Wegen des dafür nötigen Fingerspitzengefühls empfehlen wir SOLCHE Vierleiner nur Drachenfliegern, die schon ein wenig Erfahrung mit Drachen an zwei Leinen haben. Hilfreich (und sehr Material schonend) in der Anfangsphase dieser "Königsdisziplin" ist das "hüpfende" Fliegen bis max. 1 Meter! Flughöhe, wobei man zunächst in unmittelbarer Bodennähe versucht, die schwebende Balance zwischen Vortrieb und Rückwärtsflug sowie die ersten möglichst langsamen Drehungen kontrollieren zu lernen ... 

Ganz anders die stablosen Lenkmatten an vier Leinen, diese oft als Fun-, Power- oder Zugdrachen eingesetzten Vierleiner sind bei adäquater Größe (und geeigneter Baureihe) durchaus anfängertauglich, weil sie etwas weicher und vergleichsweise träger als Stabdrachen sind. Dies kommt dem Reaktionsvermögen von Einsteigern sehr zugute; zudem kann man sie mit lockeren Bremsleinen genau wie einen Zweileiner auch nur über die beiden oberen Steuerleinen fliegen. (Infos zu Vierleiner-Matten mit Lenkstange finden Sie weiter unten am Ende dieser Seite!)

Die Griffe (Handles) lenken je eine Drachenseite: oben wird die meist etwas dickere Steuerleine und unten die Bremsleine befestigt (Befestigungsknoten siehe unsere Knoten-Infoseite ). Wenn Sie diese Griffe ganz oben im Bereich der Steuerleinen anfassen und den unteren Bereich locker nach vorne richten, so ist das die richtige Haltung für den Start, mit der sie den Drachen allein über diese beiden oberen Leinen lenken können: gewinnen Sie etwas Höhe und balancieren Sie Ihre Vierleinermatte aus. Lenken Sie nur über die oberen Leinen (wie auf einem Fahrrad: rechts ziehen = rechts herum; gleichlang = geradeaus) ein paar liegende 8-er, um ein Gefühl für die Lenkimpulse zu gewinnen. Wenn Sie den Kite über die Steuerleinen halbwegs sicher hin und her bewegen können, dann probieren Sie aus, was passiert, wenn Sie den unteren Teil der Griffe etwas anziehen...
Tipp zur Haltung: lassen Sie Ihre Ellbogen in der Nähe Ihres Oberkörpers (vgl. Foto rechts) ... es ist eigentlich kinderleicht.
 
 










Die folgenden Grafiken zeigen die verschieden Steuerimpulse von Vierleinern mit Griffen. Nehmen Sie sich 2 Minuten Zeit und lassen Sie sich nicht verwirren, denn es ist weniger kompliziert als es scheint (die Stellung der Griffe ist quasi “vor Ihrem Bauch” bzw. “von oben betrachtet” dargestellt, die roten Pfeile schematisieren den jeweiligen Kraftaufwand; die oberen Steuerleinen sind jeweils in der Mitte nebeneinander, die unteren Bremsleinen sind perspektivisch nach außen gedreht):
 
 

Mit den oberen Steuerleinen lenken Sie den Kite wie ein Fahrrad im Leerlauf und mit den unteren Bremsleinen lenken Sie den Kite gleichzeitig wie einen Rodelschlitten auf Talfahrt nur mit dem Unterschied, dass Sie über den Punkt des abgebremsten Stillstandes hinaus auch rückwärts “fahren” können.
 
 
Beim Spin (unten) fliegt sozusagen ein Teil des Kites vorwärts und der andere rückwärts; dies ist insbesondere bei den wendigen Stabdrachen ein spektakuläres Manöver, bei dem die hohe Rotationsgeschwindigkeit die anschließende Flugrichtung zum “Roulette” werden lässt.
 
 

Weil man also beide Seiten unabhängig voneinander dosiert abbremsen kann, lässt sich im gesamten Windfenster die Richtung UND die Geschwindigkeit kontrollieren. Dies bedeutet totale Kontrolle aller Bewegungen und Flugpositionen. Und hierin liegt die besondere Faszination der Vierleiner: Zum Spiel mit der Naturkraft Wind und zum Kampf mit der immensen Zugkraft einer Powermatte gesellt sich die mit Fingerspitzengefühl auszuführende Justierung einer labilen Balance!
Bsp.. Um den nächsten Neustart zu erleichtern landet man den Drachen wie folgt: In der Mitte des Windfensters den Drachen zum Stillstand abbremsen, ihn so drehen, dass die Schleppkante parallel zum Boden verläuft, beide Bremsen leicht weiter anziehen und rückwärts auf der Wiese parken. Zum Start dann einfach Griffe kippen und die Steuerleinen anziehen (vgl. Foto oben).

Hier die wichtigsten Begrifflichkeiten einer Lenkmatte mit vier Leinen (ohne De-Power):
 
 

Die Hauptwaage ist bei Vierleinermatten stets an einem kurzen Tampen gebündelt, an dessen letztem Knoten die Schlaufe der Steuerleine befestigt wird. Die Bremswaage führt dagegen regelmäßig zu einer bis zu 1m langen Leine, in die in regelmäßigen Abständen Knoten gesetzt sind. In diese sog. Knotenleiter wird die Schlaufe der Bremsleine befestigt. Beginnen Sie mit einem Knoten in der Mitte der Knotenleiter (auf beiden Drachenhälften gleich) und überprüfen Sie die Länge der Bremsleinen, die ggf. noch zu korrigieren sind:
a) Wenn der Kite trotz ausreichenden Windes nicht richtig Fahrt aufnimmt und auf der Drachenunterseite Falten parallel zur Schleppkante verlaufen, so sind die Bremsleinen zu kurz. Abhilfe: Die Bremsleinen auf beiden Drachenseiten um einen Knotenabstand auf der Knotenleiter verlängern.
b) Wenn der Kite sich nicht richtig rückwärts fliegen und auch nicht rückwärts starten lässt (bei voll durchgezogenen unteren Griffenden), so sind die Bremsleinen zu lang. Abhilfe: Die Bremsleinen auf beiden Drachenseiten um einen Knotenabstand auf der Knotenleiter verkürzen.

Beim Aufräumen lohnt es sich auf jeden Fall, bereits an den nächsten Start zu denken und darauf zu achten, dass keines der Enden der vier Waagebündel irgendwie in die Waagesammelleinen einfädelt! Unser Tipp: Befestigen Sie beim Abbau auf jeder Drachenhälfte die Knotenleiter der Bremswaage am Tampen der Hauptwaage und fixieren Sie dann diesen Tampen ganz außen an einer Waageleine des Winglets mit einem Buchtknoten. So können Sie den Kite mit den ganzen Waageleinen einfach zusammenrollen... und trotzdem beim nächsten Aufbau sicher sein, dass wenn Sie den Tampen am Winglet lösen, die Waage komplett frei und ordentlich zum Kiteboden verlaufen wird.
 
 
Je härter Flugstil, Windverhältnisse und Untergrund werden, um so wichtiger ist es, auf Schutzkleidung zu achten! Die Schutzausrüstung der Inline-Skater ist richtig: Knie-, Ellbogen- und Handballenschützer als Skaterequipment sind preiswert und sollten unbedingt getragen werden. Stehen hohe Sprünge an, so ist ein Helm selbstverständliche Pflicht. Und wenn kein perfekter Snowboardhelm oder cooler Skaterhelm zur Verfügung steht, dann ist ein Fahrradhelm immer noch -zig mal besser als gar keiner!
 
 

Und wie geht das mit einer Lenkstange (englisch: bar)? Wenn nicht so viele Varianten von Vierleiner-Bars existieren würden, wäre die Antwort: ganz einfach! In der Tat fragen Kite-Schulen-Trainer ihre Neuankömmlinge regelmäßig, ob sie denn gleich mit Vierleiner-Griffen oder erste einmal mit einer Lenkstange anfangen wollen... Der Grund, warum eine Bar meist einfacher als Quadgriffe zu handhaben ist, ist der, dass die zusammenhängende Bar manche Fehler vermeidet, aber auch viele Feinheiten verunmöglicht. Im Wasser ist solch ein einhändiges Lenksystem zwingend erforderlich. Es gibt Kites bei denen die Bar im Zentrum die Steuerleinen und außen die Bremsleinen aufnimmt, und es gibt Kites, die genau umgekehrt kontrolliert werden (Steuerleinen außen und Bremsleinen in der Mitte, was auch einem gängigen 3-Leiner-Prinzip entspricht). Immer aber ist die Bar direkt mit der Lenkstange eines Fahrrades zu vergleichen: rechts ziehen heißt rechts herum lenken (und umgekehrt).
 
Soweit ist die Sache wirklich einfach, denn solche Lenkstangen entsprechen funktionell quasi zwei fest verbundenen Quadgriffen.

Ganz anders bei einem De-Power-Kite, der ebenfalls mit einer speziellen De-Power-Bar geflogen wird (z.B. Foto oben rechts, der Herr am Strand). Eine De-Power-Bar lässt sich auf der zentralen Hauptleine vor und zurückschieben, wodurch ein eigener zusätzlicher Effekt auf das Waagesystem und das Flugverhalten des Kites ausgeübt wird. Denn die Waagesammelleinen eines De-Powerkites sind (auf jeder Drachenhälfte) in drei Strängen zusammengefasst, die durch eine sog. Z-Leine mit einer Umlenkrolle angesteuert werden. 
 
 
Beim De-Power-Kite steht die Verlängerung der obersten Waagepunkte als Hauptleine (sog. frontline) fest - bis hinunter zum Trapezhaken! Die mittleren Waageebenen führen zu einer Umlenkrolle zwischen Hauptleine und Bremsleine, was zu einer proportionalen Anlenkung beim Ziehen der Bremsleine führt. Wird nun die auf der Hauptleine verschiebbare Bar (ohne Lenkimpuls) angezogen, so wird das gesamte Profil des Kites stärker gewölbt, was zu mehr Auftrieb (und erhöhtem Windwiderstand) führt. Man kann also über das Verschieben der De-Power-Bar in gewissen Grenzen stufenlos die Zugkraft und Fluggeschwindigkeit der Matte regulieren. Diese Dosierbarkeit über den Einfluss auf das aerodynamisch wirksame Profil der Tragfläche ermöglicht es, deutlich größere Kites in einem deutlich größeren Windbereich zu manövrieren.
 

Auch bei den De-Power-Bars gibt es wieder große Produktunterschiede, vor allem hinsichtlich der komfortablen Möglichkeiten zur Feinabstimmung des Kites und der Sicherheitssysteme, da man hier grundsätzlich immer mit einem Trapez arbeitet. Abschließend sei exemplarisch der Landevorgang eines De-Power-Kites mittels sog. Handbremse ( = Verbindungsleine zwischen den Bremsleinen) dargestellt.

 
 
 
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